Reportage im Bremgarter Bezirksanzeiger / 18. Dez. 2020 / Roger Wetli
Imker Hansruedi Roth lanciert Blütenpollen für die Bevölkerung
Honig und Wachs sind beliebte und bekannte Produkte von Honigbienen. Dass man auch deren Blütenpollen sammeln kann, wissen dagegen nur wenige. Der Zufiker Hansruedi Roth gewinnt seit Kurzem dieses Lebensmittel, sucht weitere Imker und möchte es der Region zur Verfügung stellen.
«Es ist eine nicht-künstliche Nahrungsergänzung, die viele Stoffe beinhaltet, die dem Menschen guttun», erklärt Hobbyimker Hansruedi Roth seine Begeisterung für die aufwendige Gewinnung von Blütenpollen. «Sie enthalten viele essenzielle Aminosäuren, die man sonst über tierische Produkte einnehmen muss.» Anders als viele Insekten verfüttern Bienen ihren Larven keine Eiweisse aus erbeuteten Tieren, sondern diese Blütenpollen. Sie gelten deshalb als «Bienenbrot», während der Nektar den allgemeinen Energiebedarf deckt.
Für die Region
«Das Gewinnen dieser Pollen ist im Freiamt noch weitgehend unbekannt», weiss Roth. Er imkert seit acht Jahren und besitzt aktuell 32 Völker. «Mich faszinieren alle Bienenprodukte», strahlt er. Durch diesen Antrieb hat er die verschiedensten Vorträge zur Imkerei besucht und ist so auf die Blütenpollen gestossen. «Ich fand das eine gute Idee. In der Ostschweiz gibt es eine Vereinigung, die immer auf der Suche nach Pollen ist. Ich möchte die hier gewonnenen Erzeugnisse aber lieber in unserer Region unter die Leute bringen.»
Sich herangetastet
Ein wichtiger Grund, wieso Blütenpollen nicht sehr bekannt sind, ist, dass es erst seit 10 bis 15 Jahren möglich ist, diese zu gewinnen. «Die Methodik hat sich zudem stark verbessert», erklärt Roth. Die Bienen werden bei der Ankunft in ihrem Stock durch ein engmaschiges Gitter geleitet. Dort streifen sie einen Teil der gesammelten Pollen ab. Dieser fällt zu Boden, wo er täglich mittels Schublade herausgenommen und sofort gefroren wird. Später trocknen und reinigen ihn die Imker. Von einem grossen Volk können mit dieser Methode an einem Spitzentag bis 400 Gramm Pollen gesammelt werden.
Hansruedi Roth begann 2019 mit zwei Kästen. «Ich wollte zuerst Erfahrungen sammeln. Dieses Jahr habe ich auf zehn Kästen erhöht. Weil ich jeden Tag die Kästen leeren muss, habe ich nur diejenigen bestückt, die unmittelbar ums Haus stehen.» Dieses befindet sich mitten in einem Zufiker Quartier, weshalb der Pollen von den Pflanzen innerhalb der Siedlung stammt.
Genug für Bienen übrig
Ab nächstem Jahr sammeln auch Nicole und Cornel Stutz Blütenpollen. Der Agronom und die Hausfrau aus Bremgarten halten Bienen direkt bei der Stadtmauer an der Antonigasse. «Wir waren von Hansruedi Roths Idee gleich Feuer und Flamme», erklärt Nicole Stutz. Wichtig für die Pollengewinnung sei allerdings, dass sich dafür der klassische «Schweizer Standard-Bienenkasten» nicht umrüsten lässt. Es brauche ein anderes System.
Alle drei betonen, dass sie mit ihrer Pollengewinnung nur das wegnehmen, was die Bienen ohnehin zu viel sammeln. «Es ist nur ein kleiner Teil. Wir füttern sie deshalb auch nicht zusätzlich.» Die Tiere geben ihren Larven nur frische Pollen. Alles, was zu viel ist, lagern sie für schlechte Zeiten ein. «Wenn sie aber zu viele Vorräte anlegen, wird der Raum für die Brut zu klein», so Roth. Als Imker hätten sie ein Interesse an vitalen Völkern, denen man keine Antibiotika oder Zuckerwasser geben müsse. «Zudem steuern wir unsere Pollengewinnung durch die Gitterbreite.»
Stärkung des Immunsystems
Wie Honig stärken auch Blütenpollen das menschliche Immunsystem. Empfohlen werden ein bis zwei Teelöffel pro Tag. Hansruedi Roth würde sich freuen, wenn noch mehr Imker dieses natürliche Produkt gewinnen würden. «Ziel wären mindestens vier bis fünf Imker, die gemeinsam sammeln. Wobei der Zeitaufwand nicht unterschätzt werden darf. Honig gewinnt man zwei- bis dreimal pro Jahr. Pollen täglich.»
Das Projekt und die Produkte sind unter www.reusstaler-bluetenpollen.ch zu finden.

Bild: Roger Wetli